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<title>Harki</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Harki</span></h1>
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<p><b>Harki</b>, von <a href="Arabische_Sprache" title="Arabische Sprache">arabisch</a> <bdo dir="ltr"><bdi dir="rtl" lang="ar" class="arabic spanAr" style="unicode-bidi:isolate;font-size:120%;">حركة</bdi></bdo>, <a href="DIN_31635" title="DIN 31635">DMG</a> <i><span lang="ar-Latn" style="font-style:italic">ḥaraka(t)</span></i> ‚Bewegung‘, bezeichnet einen Gehilfen der <a href="Franz%C3%B6sische_Streitkr%C3%A4fte" title="Französische Streitkräfte">französischen Armee</a>, der während des <a href="Algerienkrieg" title="Algerienkrieg">Algerienkrieges</a> 1954–1962 diente.
Weiterhin werden oft alle algerischen <a href="Muslim" title="Muslim">Muslime</a> so genannt, die sich zur <a href="Frankreich" title="Frankreich">Französischen Republik</a> bekannten und nicht für die Unabhängigkeit Algeriens eintraten.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Hintergrund">Hintergrund</h2></div>
<p>Nach der Besetzung Algeriens durch Frankreich ab 1830 stellt die französische Armee 2.000 Mann als Hilfstruppen auf, die vorher der osmanischen Herrschaft gedient hatten (sog. <a href="Turcos" class="mw-redirect" title="Turcos">Turcos</a>). Mitte des 19. Jahrhunderts hatte jede der drei Provinzen ein eigenes <i>Schützenregiment</i> (<i>Régiment des <a href="Tirailleure" title="Tirailleure">Tirailleurs</a></i>). 1912 führte die französische Regierung für die Einheimischen die Wehrpflicht ein. Infolgedessen nahmen rund 90.000 Algerier als Soldaten am <a href="Erster_Weltkrieg" title="Erster Weltkrieg">Ersten Weltkrieg</a> teil. Im <a href="Zweiter_Weltkrieg" title="Zweiter Weltkrieg">Zweiten Weltkrieg</a> dienten mehr als 66.000 Algerier in den französischen Streitkräften. Der Kern der Einheiten bestand aus Rekruten, in deren Familien der Armeedienst schon seit mehreren Generationen üblich war.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Bereits 1952 gründete der Ethnologe Jean Servier, der im Auftrag der Kolonialverwaltung arbeitete, eine <i>Haraka</i> (in der französischen Literatur <i>Harka</i>) im Sinne einer Bürgerwehr mit dem Ziel, einen loyalistischen Stamm in einem Stammeskonflikt zu unterstützen. 1955 stellten die <i>Speziellen Administrationseinheiten</i> der Armee, die zivilen Aufbau und den Kontakt mit der Bevölkerung fördern sollten, zu ihrem eigenen Schutz pro Einheit ein <i>Maghzen</i> Hilfstruppen auf. Bei rund 40 solcher Einheiten hatten diese als Moghaznis bekannten Kämpfer eine Gesamtstärke von rund 1.200 Mann. 1959 umfassten diese Hilfstruppen 28.000 Mann. 1956 verkündete ein Befehl von General Henri Lorillot die Aufstellung von <i>Harkas</i> auf Korpsebene. Den Harkis war eine Aufklärungsrolle zum Aufspüren der Guerillas der <a href="Nationale_Befreiungsfront_(Algerien)" title="Nationale Befreiungsfront (Algerien)">FLN (Nationalen Befreiungsfront)</a> zugedacht. Die Zerschlagung der gegnerischen Verbände sollten französische Truppen übernehmen. Harkis erhielten nur ein geringes Handgeld sowie Kost und Logis. Im Gefecht erlittene Verwundungen wurden nach französischem Recht wie zivile Arbeitsunfälle behandelt.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bei Kriegsende 1962 gab es rund 45.000 Harkis, 60.000 Wehrdienstleistende und 20.000 Berufssoldaten aus Algerien in der französischen Armee, dazu 60.000 Mitglieder örtlich gebundener Milizen. Darüber hinaus gab es neben dem Militärapparat noch rund 50.000 Staatsangestellte.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Nach der Unabhängigkeit kam es zu zahlreichen gewalttätigen Übergriffen der FLN und von Sympathisanten der Unabhängigkeitsbewegung. Stellenweise wurde die Rache an den als Kollaborateuren wahrgenommenen Algeriern benutzt, um die eigene Loyalität zu beweisen und Nähe zum neuen Regime zu demonstrieren. Zahlen darüber liegen nur für einzelne Orte und Bezirke vor. Im Arrondissement Akbou nahe <a href="S%C3%A9tif" title="Sétif">Sétif</a> wurden auf 100.000 Einwohner rund 2.000 Menschen als Kollaborateure getötet. Schätzungen gehen von rund 6.000 bis 10.000 Todesopfern unter den Harkis für die Gesamtzeit des Krieges und die Gewalt nach der Unabhängigkeit aus. Der <a href="Vertrag_von_Evian" class="mw-redirect" title="Vertrag von Evian">Vertrag von Evian</a> sah keine Regelung bezüglich der ehemaligen Soldaten der Kolonialmacht vor. <a href="Charles_de_Gaulle" title="Charles de Gaulle">Charles de Gaulle</a> lehnte die Aufnahme der Harkis in Frankreich kategorisch ab. Bedenken von Seiten des Militärs und seines Verteidigungsministers <a href="Pierre_Messmer" title="Pierre Messmer">Pierre Messmer</a> wies de Gaulle zurück. Gegen die von ihm erlassenen Gesetze organisierten aktive und ehemalige Militärangehörige ein Netzwerk, mit dem nach Schätzungen rund 100.000–260.000 Menschen nach Frankreich emigrierten.
</p><p>Die ehemaligen Kämpfer und ihre Familien wurden zumeist in Militärlagern und ehemaligen Internierungslagern aus der <a href="Vichy-Regime" title="Vichy-Regime">Vichyzeit</a> untergebracht. Es dauerte bis in die 1970er Jahre, bis die letzten Flüchtlinge aus den Lagern in normale Wohnungen umgesiedelt wurden. Die Mehrheit, die zumeist aus der Schicht der ungebildeten Landbevölkerung stammte, lebte in Frankreich ein Leben in sozialer Segregation.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Den 25. September 2001 erklärte der Staatschef <a href="Jacques_Chirac" title="Jacques Chirac">Jacques Chirac</a> als den Tag der Nationalen Anerkennung der Harkis.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Am 5. Dezember 2007 empfing Präsident <a href="Nicolas_Sarkozy" title="Nicolas Sarkozy">Nicolas Sarkozy</a> die Vertreter der Harkis im Élysée-Palast. Er sagte Bemühungen zu, die Harki besser in die Gesellschaft Frankreichs zu integrieren. Eine offizielle Entschuldigung für die damaligen Gräueltaten, wie er selbst im Rahmen seines Wahlkampfs zur Präsidentschaftskandidat am 31. März 2007<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> zugesagt hatte, blieb jedoch aus.
</p><p>2016 gestand Präsident <a href="Fran%C3%A7ois_Hollande" title="François Hollande">François Hollande</a> „die Verantwortung des französischen Staates“ für die Massaker an den Harkis ein, ebenso „die inhumanen Aufnahmebedingungen“.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Konfliktsituation der Harkis mit anderen Algeriern wird an die nachfolgenden Generationen weitergegeben, die von Harkis und algerischen Einwanderern abstammen.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Anna Laiß: <i>Universalistisches Ideal und koloniale Kontinuitäten&nbsp;: die "harkis" in der Fünften Französischen Republik</i>, Heidelberg&nbsp;: Heidelberg University Publishing&nbsp;; Freiburg im Breisgau&nbsp;; 2021, Dissertation, Universität Freiburg i. Br., 2017, überarbeitete Fassung, ISBN 978-3-96822-063-5</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Harkis?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Harkis</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li>Christoph Gunkel: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.spiegel.de/geschichte/harkis-im-algerienkrieg-massenmord-an-frankreichs-hilfssoldaten-a-947627.html">Frankreichs algerische Hilfssoldaten: Gefoltert, ermordet, vergessen.</a></i> In <a href="Spiegel_Online" class="mw-redirect" title="Spiegel Online">einestages (Spiegel Online)</a> vom 3. Juli 2012</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.sueddeutsche.de/politik/harkis-frankreichs-fehler-1.4144307">Nadia Pantel: <i>Harkis – Frankreichs Fehler</i></a>, <a href="S%C3%BCddeutsche_Zeitung" title="Süddeutsche Zeitung">Süddeutsche Zeitung</a>, 25. September 2018</li>
<li><i>Chemins de Mémoire</i> auf der Webseite des <i>Ministère des Armées</i>:
<ul><li>François-Xavier Hautreux: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.cheminsdememoire.gouv.fr/de/der-algerienkrieg-der-harkis">: Der Algerienkrieg der Harkis</a>, 2013</li>
<li>Abderahmen Moumen: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.cheminsdememoire.gouv.fr/de/die-harkis-von-algerien-nach-frankreich">Die Harkis, von Algerien bis Frankreich</a></li></ul></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://histoirecoloniale.net/">Histoire coloniale et postcolonial</a>. Auf dieser Webseite kann umfangreiches Material zur Geschichte der Harkis recherchiert werden.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Pieds-noirs" class="mw-redirect" title="Pieds-noirs">Pieds-noirs</a>, europäischstämmige Siedler in Algerien, Algerienfranzosen mit französischer Staatsbürgerschaft</li>
<li><a href="Massaker_von_Paris" title="Massaker von Paris"> 17. Oktober 1961, Massaker in Paris</a> (nuit noire) (Demonstration für Algeriens Unabhängigkeit)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Mohand Hamoumou, Abderahman Moumen: <i>L’Histoire des Harkis et Français Musulmans&nbsp;: la fin d’un tabou?</i> In: Mohammed Harbi, Benjamin Stora (Hrsg.): <i>La guerre d’Algérie, 1954–2004. La fin de l’amnésie.</i> Robert Laffont, Paris 2004, ISBN 2-221-10024-7, S. 458&nbsp;f.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Mohand Hamoumou, Abderahman Moumen: <i>L’Histoire des Harkis et Français Musulmans&nbsp;: la fin d’un tabou?</i> In: Mohammed Harbi, Benjamin Stora (Hrsg.): <i>La guerre d’Algérie, 1954–2004. La fin de l’amnésie.</i> Robert Laffont, Paris 2004, S. 462&nbsp;f.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Martin Evans: <i>Algeria: France’s undeclared War.</i> Oxford University Press, Oxford 2012, ISBN 978-0-19-280350-4, S. 325.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Martin Evans: <i>Algeria: France’s undeclared War.</i> Oxford University Press, Oxford 2012, S. 327&nbsp;f, S. 351.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Martin Shipway: <i>Decolonization and its Impact. A Comparative Approach to the End of the Colonial Empires.</i> Blackwell, Oxford 2008, S. 217&nbsp;f.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Guy Pervillé: <i>La Guerre d’Algérie&nbsp;: combien des morts?</i> In: Mohammed Harbi, Benjamin Stora (Hrsg.): <i>La guerre d’Algérie, 1954–2004. La fin de l’amnésie.</i> Robert Laffont, Paris 2004, S. 713.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">"Chirac hails Algerians who fought for France", in: The Telegraph, 26. September 2001.</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Zeitung <i>Le Monde</i> vom 31. März 2007 und der <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.harkis.com/article.php3?id_article=286">discours du 31 mars 2007 de Nicolas Sarkozy, Candidat à la Présidence de la République</a> à im Rahmen eines Treffens mit Repräsentanten der Gemeinschaft der Harki in Paris, Samstag 31. März 2007.</span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text">Michaela Wiegel: <i>Harkis als Opfer anerkannt</i>. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. September 2016, S. 4.</span>
</li>
<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text">Régis Pierret: <i>Les filles et fils de harkis&nbsp;: entre double rejet et triple appartenance</i>, Éditions L’Harmattan 2008, S. 148.</span>
</li>
</ol>
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Normdaten&nbsp;(Sachbegriff): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4293346-8">4293346-8</a></span> </div>
</div></div></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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